Verbandsunabhängige private Fachschule – Bremen Niedersachsen Oldenburg
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Tjado Galic

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Begründung zum Änderungsantrag:

Medizin ist vornehmlich eine Praktische Wissenschaft des Handelns am Menschen. Es werden zwar Methoden, Forschungstechniken und Denkansätze, sowie die Resultate der theoretischen Wissenschaften, wie beispielsweise der Naturwissenschaften, angewendet, diese haben jedoch stets eine dienende Funktion für die Erfüllung des Behandlungsauftrages in der täglichen Praxis.

Die konventionelle Medizin definiert sich als naturwissenschaftlich ausgerichtet und strebt eine generalisierbare Objektivität ihrer Aussagen an. Sie bedient sich daher vornehmlich naturwissenschaftlich gewonnener Erkenntnisse und darauf basierenden spezifischen Methoden. Insbesondere werden Wirksamkeitsnachweise mit Hilfe der statistischen Analyse geführt, z.B. Arznei-Wirkstoffuntersuchungen in einem Therapieexperiment mit randomisiertem Doppelblindversuch und Crossover Design.

Die Alternativmedizin betont hingegen einen ganzheitlichen, individuell erfahrungsbezogenen Ansatz. Aufgrund der menschlichen Individualität sei eine mögliche Wirksamkeitsbeurteilung besser unter Bezugnahme auf das Kausalerkennen anhand eines individuellen Fallverständnisses erforderlich. Die reflektierte Einzelfallbeurteilung ist nicht einfach durch eine statistische Verallgemeinerung ersetzbar, weshalb multidimensionale Evaluationsverfahren und die dafür geeignete Forschung notwendig sind.
Erfasst werden sollen nicht nur klinisch messbare Parameter und die Statistik lebensqualitativer Daten, sondern auch eine Auswertung der therapeutischen Erfahrung, die Berücksichtigung des Erfahrungswissens und die singuläre Erfolgsbeurteilung des Einzelfalles im Therapieverlauf.

Diese voneinander abweichenden Vorstellungen sind nicht in sich auflösbar oder einfach ineinander integrierbar, da sie von unterschiedlichen Schwerpunkten des Krankheits- und Gesundheitsverständnisses ausgehen und daher unterschiedliche Methoden und Wissenschaftslehren in der Medizin begründen.

Im Zusammenhang mit der rechtlichen Bewertung der Alternativmedizin wurde daher der Begriff der besonderen Therapierichtung definiert. Hierunter wird ein umfassendes, zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen bestimmtes therapeutisches Konzept definiert, welches auf einem,  von der primär naturwissenschaftlich orientierten Medizin abweichenden Denkansatz beruht, gleichzeitig in größeren Teilen der Gesundheitsberufe angewendete Akzeptanz gefunden hat und weite Teile der Bevölkerung für sich einnimmt. Zu diesen zählen die Phytotherapie, die Homöopathie und die anthroposophische Medizin.

Als Grüne sehen wir in den unterschiedlichen Denkansätzen keinen Widerspruch, sondern eine freie Entwicklung der Pluralität in der Medizin welche die Wissenschaft mit all ihren Methoden fördert.  Aus diesem Grunde wollen wir die unterschiedlichen methodischen Ansätze gemäß ihrer Entwicklung der jeweils geeigneten Forschungsmethoden unterstützen (Art. 5 GG). Dazu gehört auch die Förderung aller existierenden Gesundheitsberufe einschließlich des Heilpraktikers, in Ausbildung, Lehre und Praxis sowie die freie
Berufswahl (Art. 12 GG). Dies soll auf einer kontinuierlichen Steigerung der Qualität zum Wohle des Kranken mit freier Therapiewahl und Erfüllung des optimalen Patientenschutzes (BGB § 630a-h), gründen.

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